Heizungstausch zu Wärmepumpe?

Wie eine Wärmepumpe  funktioniert ist in einem unserer Beiträge bereits erklärt. Bevor man sich an die Modernisierung des Heizungssystems bei einer Altbausanierung wagt, sollte der aktuelle Bestand erst einmal mittels unten stehender Fragen bewertet werden. Wird die Arbeitsweise einer Wärmepumpe zusätzlich verstanden, so ergibt sich mit den Antworten auf untenstehende Fragen ein allumfassendes Bild, ob oder unter welchen Voraussetzungen eine Wärmepumpe für seinen Altbau überhaupt in Frage kommt. Es braucht beim Altbau einen vernünftigen Kompromiss zwischen einzelner Sanierungsmaßnahmen (Dämmung, Heizung), um die Heizkosten einerseits (für Jahrzehnte) zu senken und um andererseits auch etwas gutes für unsere Umwelt zu tun.

Was umfasst die Heizungsmodernisierung?

Ein Wärmepumpen-Heizsystem bei einer Altbausanierung umfasst zumeist:

  • Wärmepumpen-Einheit
  • Trinkwasserspeicher
  • Pufferspeicher
  • Equipment zur Erschließung der Wärmequelle

Ein Puffer wird oftmals aus folgenden Gründen ins System einbezogen:

  • Einbinden weiterer Wärmeerzeuger möglich
  • Trennung Verbraucherkreis von Erzeugerkreis wegen untersch. Durchflüsse
  • Vermeidung von häufigen Takten bei Heizkörpern mit geringem Wärmespeichervolumen
  • Überwinden von EVU-Sperrzeiten
  • Enteisung/Abtauung des Außenluftwärmetauschers bei Luft/Wasser Wärmepumpen

Ist eine flächendeckende Fußbodenheizung vorhanden, so kann auf den Pufferspeicher u. U. verzichtet werden.

Aus dem Trinkwasserspeicher erfolgt die Versorgung fürs Duschen oder das Baden. Ist die Wärmequelle das Erdreich, so benötigt es Bohrungen oder Kollektoren. Es kann aber auch das Grundwasser als Wärmequelle dienen. Hier sind ebenfalls Bohrungen erforderlich.

Wie hoch ist der aktuelle Energieverbrauch bzw. die Heizlast?

Prüfe, ob der Energieverbrauch des bestehenden Heizungssystems einfach über die Steuerung ausgelesen werden kann, oder ob unter Umständen auch ein Wärmemengenzähler/Stromzählpunkt verbaut ist. Der Verbrauch wird in kWh angegeben und ist auch in der Jahresabrechnung zu gelistet. Dein Energieversorger steht bei Unklarheiten für Rückfragen zur Verfügung.

Die Heizlast kann über Faustformeln (40 bis 120 W/m² je nach Bausubstanz/Dämmung) abgeschätzt werden. Die Heizlast wird in W oder kW angegeben.

Wie hoch ist die aktuelle Vorlauftemperatur?

Die Vorlauftemperatur kann testweise bei  der Bestandsheizung über die Steuerung an einen kalten Wintertag z. Bsp. auf 55°C gesenkt werden. So bekommt man ein Gefühl wie gut bzw. schlecht die Wärme vom Haus an die Umgebung abgegeben wird, also gedämmt ist. Dieser Test gibt Aufschluss, ob das Eigenheim mit Vorlauftemperaturen unter 55°C ausreichend tempereriert werden kann. Nur wenn dies zutrifft, sollte überhaupt eine Wärmepumpe angedacht werden, ansonsten ist der Stromverbrauch zumeist viel zu hoch.

Es ist daher auch kein Zufall, dass eine max. Vorlauftemperatur (<40°C) in den meisten Förderungen ein Kriterium für einen Anspruch ist. Bist du über 40°C dann können wir dir Tipps geben, wie du vielleicht doch zu Förderungen kommst.

Welche Wärmequellen stehen zur Verfügung?

Luft-Wasser Wärmepumpen werden zumeist monoenergetisch ausgelegt, d. h. hier wird durch einen zusätzlichen elektr. Heizstab die Wärmepumpe zur Bereitstellung des Gebäudeheizleistungsbedarfs unterstützt. Diese Heiz-Unterstützung ist aber nur in wenigen Tagen im Jahr bei sehr niedrigen Temperaturen erforderlich. Warum einen Heizstab zusätzlich einbauen? Dies erfolgt deshalb, da sonst aufgrund NUR weniger kalter Tage im Jahr, die Wärmepumpe mit der „gesamten, d. h. einer sehr großen Heizleistung“ ausgelegt werden muss, was zumeist nicht wirtschaftlich ist. 
 Grundwasser- oder Erdwärmepumpen können monovalent betrieben werden, d. h. es benötigt hier keine zusätzliche Unterstützung durch einen elektr. Heizstab. Diese Wärmequellen liefern beinahe über das ganze Jahr hinweg konstante Bedingungen und sind aufgrund ihres Temperaturniveaus effizienter.

Selbstverständlich kann jede Wärmepumpe zusätzlich neben anderen Wärmeerzeugern auch betrieben werden (bivalente Betriebsweise). Es ist bekannt, dass Grundwasser- und Erdreichpumpen zwar teurer, aber stromsparender sind. Neben den oben erwähnten Wärmepumpenarten, gibt es auch noch Direktverdampfer-Wärmepumpen die für eine Heizungsmodernisierung in einem Altbau in Frage kommen.

Unser Tipp: Kombination mit PV

Durch die Elektrifizierung der Mobilität kann man eine PV-Anlage für sein (zukünftiges) E-Auto in Betracht ziehen. Aber auch die Wärmepumpe kann mit grünen Strom kombiniert werden. In diesem Fall ist ein klimafreundliches Heizen besonders gegeben. Informiere dich weiter unten  über überschlagsmäßige Auslegung. Vergiss hierbei auch nicht auf Förderungen zu achten.

Photovoltaik und Batteriespeicher
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AutorIn: DI M. Knoglinger
Datum: 17.10.2021
Expertise: Bauplanung