Fertighaus: Schnelles Bauen

Fertigteilhäuser überzeugen vor allem durch eines: ihre extrem kurze Bauzeit. Dafür wird ihnen aber im Vergleich zu einem konventionellen Massivhaus eine deutlich geringere Qualität nachgesagt. Doch stimmt dies wirklich oder ist diese Unterstellung mittlerweile veraltet? Wir geben einen Überblick rund um‘s Thema „Fertighaus“ und zeigen sowohl die Vor-, wie auch die Nachteile auf.

Was ist ein Fertighaus?

Bei einem Fertighaus oder auch Fertigteilhaus werden die Bauteile vorab produziert, an die Baustelle geliefert und dort endmontiert. Man kann ein Fertighaus somit als genormtes Gebäude bezeichnen. Die einzelnen Teile (Wände, Böden, Decken, Dach) werden angeliefert und dann auf der vorab errichteten Bodenplatte oder Kellerdecke zusammengebaut.
In den meisten Fällen wird der Rohstoff Holz verwendet. Es gibt aber auch die Möglichkeit einer Fertigung aus Beton oder Leichtbeton. Zwar haben alle diese Materialen hervorragende Dämmeigenschaften, ohne zusätzliche Dämmschichten kommen moderne Häuser in Fertigbauweise aber dennoch nicht mehr aus, um gute Werte hinsichtlich des Energieverbrauchs zu erreichen. Die zusätzliche Dämmung wird direkt bei der Produktion in Decken und Wände integriert.

Der große Vorteil von Fertighäusern ist der rasche Aufbau. Binnen kürzester Zeit werden die Häuser schlüsselfertig erstellt und bringen somit einen erheblichen zeitlichen Vorsprung gegenüber dem konventionellen Bauen mit sich. Durch die bereits vorgefertigten Elemente ist es theoretisch möglich, ein Fertigteilhaus innerhalb eines Tages aufzustellen (ähnlich wie bei einem Modulhaus). Anschließend fehlt nur noch der Innenausbau.

Wie viel kostet ein Fertighaus?

In der jetzigen, krisenbehafteten Zeit haben die Baupreise eine hohe Dynamik angenommen. Deshalb sind untenstehende Angaben auch mit Vorsicht zu genießen. Grundsätzlich wirkt sich die besonders kurze Bauzeit von Fertigteilhäuser auch positiv auf die Kosten aus. Diese sind oft nicht nur niedriger als bei einem massiv gebauten Haus, sie sind vor allem auch gut kalkulierbar. Für ein Fertighaus mittlerer Preisklasse und einer durchschnittlichen Wohnfläche von 150 m², ist mit 300.000 bis 400.000 Euro rechnen. Bei einem der größten Fertighausproduzenten Österreichs kann man für einen schlüsselfertigen Bungalow, je nach Wohnfläche, mit zwischen 220.000 und 390.000 Euro schlüsselfertig rechnen. Schlüsselfertige Stockhäuser bekommt man dort – wieder abhängig von der Größe – zwischen 270.000 und 400.000 Euro.
Einsparungen sind möglich, indem man sich nur für ein Bausatzhaus oder die belagsfertige Version entscheidet und den Innenausbau selbst durchführt.

Zum Preis des Hauses (1.800-3.500 €/m2) kommen natürlich noch der Grundstückspreis (100-1000 €/m2), die Kosten für den Keller (500-1000 €/m2) bzw. für die Bodenplatte (150-250 €/m2) und für die Außenanlage (5-10% der Bausumme) sowie weitere Baunebenkosten (14-20% der Bausumme).

Checkliste

Verwende doch unsere Baukosten-Checkliste zur Ermittlung der genauen Kosten für dein Traumhaus. Hierin sind auch die Nebenkosten, welche es beim Erwerb des Grundstücks zu berücksichtigen gilt, sowie mögliche Baunebenkosten aufgeschlüsselt. Sie kann auch für Sanierungsprojekte als Grundlage dienen und Sie hilft dir schnell einen Überblick zu erhalten mit welcher Kredithöhe du rechnen solltest.

Die Vorteile und Nachteile eines Fertighauses?

Es spricht vieles für und vieles gegen ein Fertigteilhaus. Für mache ist es aber auch einfach eine „Frage der Bauphilosophie“.

Die Vorteile

  • Der mit Abstand größte Pluspunkt, der für ein Fertigteilhaus spricht, ist die enorm kurze Bauzeit. Denn die Häuser können binnen eines Tages errichtet werden.
  • Ein weiterer großer Vorteil ist die gute Kostenkalkulation. Man kann im Vorfeld relativ genau planen, was einem das Projekt kosten wird (siehe Kosten eines Einfamilienhauses). Böse Überraschungen, wie sie beim Bauen oft der Fall sind, bleiben in der Regel aus.
  • Einerseits durch die Vorabproduktion der einzelnen Teile, andererseits durch den raschen Aufbau, ist man beim Bau eines Fertighauses relativ witterungsunabhängig. Nicht selten muss auf konventionelle Baustellen pausiert werden, weil das Wetter nicht mitspielt.
  • Fertighäuser zeichnen sich nur eine hohe Energieeffizienz und nachhaltige Baustoffe aus.
  • Man ist nicht von vielen verschiedenen Lieferanten und Firmen abhängig, sondern genießt einen Service, bei dem alles aus einer Hand ist.

Die Nachteile

  • „Haus von der Stange“ – Fertighäuser sind ja eigentlich genormte Häuser, welche in zigfacher Stückzahl verkauft werden. Dadurch hat man hier weniger Gestaltungsfreiheit als wenn man komplett selbst baut.
  • Die Ausbaustufe Bausatzhaus ist nur selten möglich.
  • Fertighäuser können einen geringeren Wiederverkaufswert als massiv gebaute Häuser haben.
  • Fertigteilhäuser haben oft einen verminderten Schallschutz und sind anfälliger gegenüber starken Witterungen.

Bauweisen eines Fertighauses

Fertighäuser gibt es mittlerweile in mehreren Bauweisen. Zur gängigsten Form zählen bis heute Fertighäuser aus Holz. Es gibt drei verschiedene Holzbauweisen. Der wesentliche Unterschied liegt hier im Grad der Vorfertigung:

Holztafelbau und Rahmenbauweise

Dies ist die wohl am meisten verbreitetste Bauweise von Fertighäusern und besonders bei Einfamilienhäusern in den USA üblich. Als Grundlage dienen hier mit Holztafeln beplankte Holzrahmen, welche für die Statik des Hauses entscheidend sind. Im Werk bei der Produktion werden oft schon Versorgungsleitungen, Dämmung, Fenster, Türen und Elektroleitungen in die fertigen Einzelteile eingebaut. Auch die Dächer und Decken werden so vorgefertigt.

Holzständerbau und Skelettbauweise

Diese Bauweise von Fertighäusern ist zum Beispiel in Deutschland bei gewerblichen Gebäuden weit verbreitet. Hier reichen Querstreben von der Schwelle bis zum Dach (meist in tragenden Wänden) und garantieren so die Stabilität des Ständerwerks. Traditionell werden die sich ergebenden Fächer mit Stein oder Lehm befüllt. Heutzutage wird gerne auch Glas für lichtdurchflutete und offene Räume verwendet.

Blockbauweise

Diese Bauweise beruht auf gestapelten Holzbohlen. Hier handelt es sich entweder um ganze Baumstämme oder um zugeschnittene Kanthölzer, welche aufeinandergestapelt und fest miteinander verbunden werden. Das massive Holz besitzt zwar eine hohe Dämmwirkung, dennoch werden die Wände von innen verkleidet, wodurch auch Kabel- und Versorgungsleitungen versteckt werden. Somit kann man den äußerlich eher rustikal wirkenden Häuser im Inneren einen modernen Touch verleihen.

Massive Fertighäuser

Heutzutage werden Fertighäuser auch in massiver Bauweise angeboten. Der Unterschied besteht darin, dass die im Vorfeld produzierten Einzelteile aus Beton oder Stein gefertigt werden. Auch sie werden dann vor Ort zusammengefügt. Sogar Wände in Ziegelbauweise können mittlerweile vorproduziert und vor Ort endmontiert werden. Im Gegensatz zu anderen Fertigteilhäusern, bringt dieser Variante auch einen guten Schallschutz mit. Diese Bauweise ist besonders bei Gewerbeimmobilien sehr beliebt und gängig.

Welche Bauweise tatsächlich in einem Haus steckt, sieht man den meisten Häusern gar nicht an. Hinter einer Fassade aus Mauerwerk kann sich ebenso ein Haus in Holzleichtbauweise verstecken.

Unser Tipp: Fertighaus mit Ziegel

Die wenigsten wissen, dass es mittlerweile auch Fertigteilhäuser aus Ziegel gibt. Dabei werden einzelne Wandelemente mit „Maurer-Roboter“ in der Produktionshalle vorgefertigt, also analog zum „klassischen“ Fetigteilhaus. Die zusammengestellten Wandelemente sind dann noch vor Ort entsprechend miteinerander zu verbinden.

Abstufungen eines Fertighauses

Die Ausführungen eines Fertighauses reichen vom Bausatzhaus, über Ausbauhaus bis hin zum schlüsselfertigen Haus. Auch dazwischen kann es verschiedene Abstufungen geben, welche sich je nach Hersteller unterscheiden. Je größer allerdings der Eigenanteil ist, desto geringer fällt natürlich auch der Hauspreis aus.

Bausatzhaus

Dies ist die geringste Ausbaustufe bei einem Fertigteilhaus und wird auch nicht oft angeboten. Prädestiniert für den Selbstbau sind Häuser in Blockbohlenbauweise. Allerdings sollten man hier im Umgang mit einem Kran geübt sein. Auch massive Fertighäuser gibt es als Bausatz. Als Grundlage dienen hier die hohlen Wandelemente, die aufeinandersetzt und dann mit Beton gefüllt werden.

Ausbauhaus oder belagsfertiges Fertighaus

Wer an Kosten einsparen will, entscheidet sich für ein Ausbauhaus. Ein belagsfertiges Fertighaus ist außen vollkommen fertiggestellt, das heißt, der Rohbau inklusive Fenster und Haustür steht.
Bei der Übergabe des Fertighauses sind also noch einige grundlegende Arbeiten offen und somit selbst zu übernehmen. Diese Ausbaustufe ist nicht nur bedeutend billiger als eine schlüsselfertige Übergabe, sie bietet auch noch die Möglichkeit der individuellen Gestaltung. Mit etwas handwerklichem Geschick und ein paar helfenden Händen, hat man nach einigen Wochen Arbeit einen bezugsfertigen Neubau.

Schlüsselfertiges Fertighaus

Dies ist die höchste und kostspieligste Stufe. Ob das Haus dann „schlüsselfertig“, „bezugsfertig“ oder gar komplett eingerichtet und ausgestattet ist, hängt von der konkreten Vertragsvereinbarungen und dem Leistungsangebot des jeweiligen Anbieters ab

Wie lange dauert der Bau eines Fertighauses?

Je nach Hersteller, Größe und Ausführung sollte man zwischen fünf und neun Monate von der konkreten Planung bis hin zur Übergabe kalkulieren. Je mehr vorgefertigt werden kann und je größer die einzelnen Wandelemente sind, desto schneller ist dann der Aufbau vor Ort, welcher üblicherweise ein bis drei Tagen dauert. Für den Innenausbau werden dann ca. zwei Wochen bis maximal zwei Monate benötigt. Mittlerweile gibt es auch Firmen, die individuelle Fertighäuser anbieten, welche – wie der Name vermuten lässt – individuell geplant bzw. angepasst werden. Diese können dann länger dauern.

Unterschied zwischen Fertighaus und Massivhaus?

Stein auf Stein erreichtet – als Massivhaus werden jene Häuser bezeichnet, bei dem einzelne Bausteine (z.B. Ziegel) aufeinander geschlichtet werden. Die Baumaterialien werden auf die Baustelle geliefert und erst vor Ort verarbeitet. Im Vorfeld wird ein Massivhaus von Architekten geplant.
Der entscheidende Unterschied zwischen einem Fertigteilhaus und einem Massivhaus ist die Bauzeit. Während das Fertighaus aus vorgefertigten Einzelteilen relativ zügig aufgebaut wird, kann der Bau eines Massivhauses mehrere Monate dauern.
Ein weiterer Unterschied liegt in der Dämmung, die bei einem Fertigteilhaus in der Regel nur von innen vorgenommen wird, bei einem Massivhaus aber von innen und außen. Massivhäuser haben im Allgemeinen den Ruf, qualitativ hochwertiger zu sein.

Unterscheidung zum Modulhaus

Fertigteilhäuser und Modulhäuser haben Folgendes gemein: die im Vorfeld produzierten Bauteile. Beim Modulhaus handelt es sich allerdings um mehrere, vorgefertigte, ganze Elemente (Würfeln), die dann aufeinandergestapelt und zusammengesetzt werden. Beim klassischen Fertighaus sind es hingegen keine ganzen Würfel, sondern „nur“ einzelne Wände, die dann vor Ort verschraubt und denen dann Decken und Dach aufgesetzt werden.

Unser Tipp: Lass den Profi ran!

Die Einreichplanung muss von einem befugten Unternehmen (z.B. Architekten oder Baumeister) erstellt werden.

Bauprojekte sind genehmigungspflichtig und wenn diese nicht bei der zuständigen Behörde eingereicht wurden, müssen sie im „worst case“ auf eigene Kosten zurückgebaut bzw. abgebrochen werden.

Fazit

Ein Fertigteilhaus ist rasch errichtet und die Kosten sind gut im Vorfeld kalkulierbar.
Dem schlechten Ruf der deutlich geringeren Qualität werden die Fertigteilhäuser von heute nicht mehr gerecht. Früher war es tatsächlich so, dass Fertighäuser günstiger gebaut wurden, als Massivhäuser, weil nur einfache Materialien zum Einsatz kamen. Doch die Kosten und Standards eines Fertighauses sind heute mit jenen eines Massivhauses vergleichbar.

FAQ: 

Kann ein Massivhaus ein Fertighaus sein?

Ja, auch ein Massivhaus kann ein Fertighaus sein. Die einzelnen Teile aus z.B. Porenbeton oder Blähton werden auch hier vorgefertigt und vor Ort zusammengesetzt.

Wie lange kann man in einem Fertighaus leben?

In der Regel hält ein Fertigteilhaus etwa 60 bis 90 Jahre – je nach Ausführung kann dies natürlich variieren. Mittlerweile liegt die Lebensdauer eines modernen, qualitativ hochwertigen Fertighauses allerdings schon bei gut 100 Jahren und mehr. Fertigteilhäuser stehen anderen Bauweisen heute in nichts mehr nach.

AutorIn: J. Berger
Datum: 03.10.2022
Expertise: Bauplanung